Was heißt eigentlich "süchtig"?

Braucht es immer ein Suchtmittel, um so etwas wie eine Abhängigkeit zu entwickeln?

Woran merke ich, dass ich abhängig oder süchtig bin?

Seelische Abhängigkeit, körperliche Abhängigkeit, was ist darunter zu verstehen?

Was mache ich, wenn ich bei einem Angehörigen, Kollegen oder Bekannten eine Abhängigkeit vermute oder bemerke?

Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich mir als Angehöriger Hilfe hole oder mich in einer Beratungsstelle informiere? Verrate ich den Betroffenen, wenn ich es verheimliche?

Wann gilt ein Mensch als von der Sucht geheilt?

Müsste man sich nicht einfach nur ein wenig beherrschen und das alles wäre kein Problem mehr?

Wie finde ich denn eine entsprechende Beratungsstelle?

Welche Erfolgschancen hat denn eine Beratung oder Behandlung?

Was kostet eine Beratungsstunde? Entstehen mir selbst irgendwelche Kosten?

Ist bei einer kostenlosen Beratung oder Behandlung überhaupt eine kompetente und qualifizierte Beratung möglich?

Arbeiten in den Beratungsstellen ehrenamtliche Mitarbeiter oder spreche ich mit einer Fachkraft?

Werden die Informationen weitergegeben? Sind die Gespräche vertraulich? Leiten Sie Informationen an den Arbeitgeber, die Polizei oder das Gericht weiter?

Ich möchte als Frau nur mit einer weiblichen Beraterin sprechen. Ist das möglich?

Wenn ich mit dem Berater oder der Beraterin nicht klar komme, kann ich dann auch wechseln?

Was ist, wenn es mir überhaupt nicht gefällt?

Ich weiß gar nicht so richtig, ob das für mich das Passende ist?

Was passiert in einer Beratung?

Was ist der Unterschied zwischen einer stationären Entgiftung und einer Therapie?

Es gibt ambulante und stationäre Behandlungsmöglichkeiten. Wann ist das eine besser, wann das andere?

Ihre Frage ist nicht dabei?




Was heißt eigentlich "süchtig"?

Süchtig oder Sucht geht auf das Wort "siech" zurück, das einen eher allgemeinen Zustand des Leidens an etwas oder ein Art der Schwäche bezeichnet. Laut dem Online-Lexikon Wikipedia stand das Wort „Sucht“ von seiner Bedeutung her ganz allgemein und nicht weiter spezifiziert für Krankheit und meint einen an körperlichen Gebrechen, an sich selbst, an anderen, an den Umständen leidenden Menschen. Zu finden ist dies noch in Worten wie z. B. Schwindsucht. Das trifft auch auf Suchterkrankungen zu, so wie wir sie heute verstehen, zumal alle Symptome einer Suchterkrankung ebenfalls oft unspezifisch und auf andere Ursachen zurückgeführt werden können. Häufig lässt erst das ganze Bild die Suchterkrankung erkennen.

Ein wenig spezifischer bezeichnet "süchtig" oder "Sucht" eine Art der Lebensgestaltung, bei der das Leben immer stärker nur noch um ein Thema kreist bis für anderes kein Raum mehr bleibt. Dabei werden mit dem Suchtverhalten zunehmend die Probleme gelöst, die in der Intensität erst durch das Suchtverhalten verfestigt wurden. Damit ist etwas aus der Balance geraten und hat eine Bedeutung erlangt, die ihm eigentlich nicht zusteht: Alkohol z.B. zunächst Genussmittel wird zu etwas, von dem mein ganzes Glück, meine Zufriedenheit, meine Beziehungsfähigkeit, meine Leistungsfähigkeit und so weiter abhängen. Am Ende steht ein Verhalten, das Krankheitswert besitzen kann.

Jeder Mensch besitzt die „Fähigkeit“, sich von etwas abhängig zu machen. Sich seine Unabhängigkeit zu bewahren und die unterschiedlichen Bedürfnisse nach Eingebundensein mit der Unsicherheit durch Freiheit auszubalancieren, stellt so etwas wie eine anthropologische Konstante dar, d.h. ist ein Lebensthema, mit dem sich jeder Mensch auseinandersetzen muss.

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Braucht es immer ein Suchtmittel, um so etwas wie eine Abhängigkeit zu entwickeln?

Suchtmittel, das sind in der Regel Drogen, also alle Stoffe, die in der Lage sind, Denken, Fühlen und Wahrnehmung zu beeinflussen, sind zwar praktisch, wenn es um die Ausbildung einer Sucht geht, sind aber keinesfalls notwendig zur Entwicklung einer Sucht. Beispiele dafür sind die so genannten nicht-stoffbedingten Süchte, wie die Spielsucht. „Jede Richtung des menschlichen Interesses vermag süchtig zu entarten...“ (v. Gebsattel, 1954).

"Geeignet" als Suchtmittel sind alle Stoffe, Verhaltensweisen o.ä., die eine schnelle Befriedigung oder Erleichterung versprechen und das Begleichen der Rechnung, d.h. den "Kater" immer weiter in die Zukunft verschieben lassen, wenn ich erneut konsumiere oder das entsprechende Verhalten zeige. Als Beispiel sei hier noch einmal die Spielsucht genannt: Durch das Spielen, so berichten es nahezu alle Betroffenen, kehrt sofort eine Art innerer Ruhe ein und alle Probleme und Sorgen verschwinden durch die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf das Spielen und die steigende Spannung mit der Erwartung von Gewinn oder dem Risiko eines Verlustes. Die Konsequenzen aus dem Spielen, die finanziellen Verluste, die familiären Probleme … können in die Zukunft verschoben werden, wenn weiter gespielt wird. Denn dann und nur dann besteht wieder die Chance auf den großen Gewinn.

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Woran merke ich, dass ich abhängig oder süchtig bin?

Sucht hat viele Gesichter, deswegen kann man diese Frage nur für den Einzelfall zufrieden stellend beantworten. Einer Antwort auf diese Frage kann man sich am besten in einem persönlichen Gespräch annähern. Über Informationen und Tests, die Sie sich im Internet, in der Literatur oder eben in einem persönlichen Gespräch holen, können Sie Ihr eigenes Verhalten bewerten.

Eine gute erste Einschätzung läßt der sogenannte CAGE-Test zu, der zur Einschätzung entwickelt wurde, ob ein Alkoholproblem vorliegt oder nicht. Sinngemäß lassen sich die vier Fragen leicht auch auf viele anderen Suchtformen übertragen:

Die Wahrscheinlichkeit eines Alkoholmissbrauchs liegt bei 62 % bei einer bejahenden Antwort und bei 89 % bei zwei bejahenden Antworten. Bei drei und vier bejahenden Antworten beträgt die Wahrscheinlichkeit 99 %.

Noch einmal zur Frage zurück: Anlass zu einem Kontakt zu einer Fachstelle, wie die Beratungsstelle eine ist, kann einfach auch nur das eigene Gefühl sein, dass "etwas nicht stimmt" mit mir in Hinblick auf meinen Konsum oder auf ein bestimmtes Verhalten.

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Seelische Abhängigkeit, körperliche Abhängigkeit, was ist darunter zu verstehen?

Ganz allgemein unterscheidet man zwischen seelischer und körperlicher Abhängigkeit. Meist entwickelt sich im zeitlichen Verlauf zunächst eine seelische Abhängigkeit, aus der sich dann durch einen fortwährenden Substanzgebrauch später auch eine körperliche Abhängigkeit ergeben kann.

Bei der seelischen Abhängigkeit wird das Suchtmittel oder das Suchtverhalten gewohnheitsmäßig als ein Werkzeug, wie ein Medikament zur Beruhigung, zum Abschalten, zur Anregung eingesetzt. Später wird das Suchtmittel selbst, seine Beschaffung, Vorratshaltung und Konsum zum Dreh- und Angelpunkt von Handlungen, Gedanken und Gefühlen. Eine seelische Abhängigkeit ist von Außenstehenden nicht direkt beobachtbar, sondern nur aus dem Verhalten indirekt erschließbar. Für den Betreffenden selbst kann sie sich in dem schier unwiderstehlichen Drang zeigen, Alkohol oder eben ein anderes Suchtmittel zu konsumieren oder ein bestimmtes Verhalten zu zeigen, wie das Spielen.

Die körperliche Abhängigkeit ist das Ergebnis eines physiologischen Anpassungsprozesses. Der Organismus reagiert auf die ständige Zufuhr eines Suchtmittels mit einer Veränderung von Prozessen im Gehirn wie im gesamten Körper, durch die er die Auswirkungen des Suchtmittels auszugleichen sucht. Dies geschieht, gleich was der Hirnbesitzer in seinem zentralen Denkorgan denkt oder meint, denn der Körper kann nur reagieren, wie er reagiert. Wird das Suchtmittel dann abrupt entzogen, kommt es je nach Substanz, der Dauer und Menge des Konsums zu unangenehmen bis schmerzhaften oder gar lebensgefährlichen Entzugserscheinungen. Dann kann auch die Substanz nicht mehr einfach so weggelassen werden.

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Was mache ich, wenn ich bei einem Angehörigen, Kollegen oder Bekannten eine Abhängigkeit vermute oder bemerke?

Grundsätzlich müssen abhängige Menschen selbst zu dem Entschluss kommen, an ihrer Situation etwas ändern zu wollen. Versuche von anderen aus dem persönlichen Umfeld, das Suchtverhalten direkt zu beeinflussen oder gar das Suchtmittel zu entziehen, werden meist scheitern und immer wieder Anlass zu Auseinandersetzungen sein. Allerdings können Sie versuchen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Ihre Angehörigen/Bekannten Hilfe annehmen und gesunden.

Hierzu müssen Sie den Mut finden, einen gänzlich anderen Weg einzuschlagen und sich von gegenseitigen Beschuldigungen und Debatten loslösen. Stattdessen kann es sehr hilfreich sein, dass Sie dem oder der Betreffenden immer wieder eine Rückmeldung geben über sein Verhalten und die Veränderungen, die Sie an ihm oder ihr wahrnehmen: Ich sehe, dass... Ich empfinde, ... Ich erlebe die und die Veränderungen... Für mich bedeutet dein Verhalten...

Diese eher kurzen Mitteilungen in der Ich-Form sollten Sie nur dann machen, wenn Ihr Gegenüber auch aufnahmebereit ist. Sinnvoll ist es weiterhin, dass Sie nicht länger Aufgaben und Verantwortung des Betreffenden übernehmen und ihm die Aufgaben des täglichen Lebens wieder zumuten. Werden die Konsequenzen des eigenen Handelns wieder spürbar oder sichtbar, wird der oder die Betreffende wahrscheinlich eher die Veranlassung haben, nicht nur seine/ihre eigene Sicht der Dinge wahrzunehmen und sein Verhalten zu ändern. Das heißt auch, dass es manchmal sinnvoll sein kann, zuzuschauen, wie jemand scheitert, damit sich danach neue Möglichkeiten eröffnen können.

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Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich mir als Angehöriger Hilfe hole oder mich in einer Beratungsstelle informiere? Verrate ich den Betroffenen, wenn ich es verheimliche?

Wenn Sie sich in einer Beratungsstelle, bei einem Arzt oder in einer Selbsthilfegruppe informieren wollen, bedeutet das gerade nicht, dass Sie ihre(n) Angehörige(n) innerlich abschreiben oder gar verraten. Es ist allerdings gut möglich, dass Sie mit diesem Vorwurf konfrontiert werden, falls Sie mit ihr/ihm über dieses Vorhaben sprechen. Betrachten Sie solche Vorwürfe sozusagen als Einladung, wieder in das alte Muster zurückzufallen.

Familien mit einem suchtkranken Mitglied igeln sich oft ein. Das Sprechen über das Problem ist mit einem Tabu belegt. Aus vielen Gesprächen mit Betroffenen ist aber zu erfahren, dass das Sprechen mit anderen über das Problem Bewegung in festgefahrene Muster gebracht und damit Möglichkeiten zu einer Veränderung eröffnet hat.

Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie diese Situation auf kurze Sicht mehr belasten und mehr Kraft kosten wird. Wenn Sie selbst Hilfe wünschen, haben Sie auch ein Recht darauf. Dies zeigt auch, dass Sie nicht länger auf ein Wunder warten, sondern aktiv werden wollen, um Ihre eigene und vielleicht auch indirekt die Lebenssituation eines Menschen, dem Sie sich verbunden fühlen, zum Besseren hin zuwenden.

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Wann gilt ein Mensch als von der Sucht geheilt?

Im Zusammenhang mit Abhängigkeiten spricht man in der Regel nicht von einer Heilung. Ziel ist es meist in der Zusammenarbeit von Klient und Berater/Therapeut, eine Abstinenz oder allgemein eine Veränderung des Verhaltens zu erreichen, die der oder die Betreffende als eine Bereicherung seines Lebens betrachtet, dadurch dass ihm oder ihr sich damit wieder neue Möglichkeiten und Perspektiven eröffnen. Dadurch wird aber das Geschehene nicht rückgängig gemacht. Daneben kann es aber auch ein anderes Ziel sein, das zwischen Berater und Klient vereinbart wird und dessen Erreichung das Ende der Beratung/Behandlung markiert.

Beratung, Behandlung wird als ein fortschreitender Entwicklungs-Prozess gesehen. Da jeder Mensch anders ist, kann sich im Laufe der Zeit sogar das Ziel ändern. Es gibt in der Regel weder eine im Voraus festgelegte Anzahl von Gesprächen noch ein festgelegtes Programm, in das Klienten gezwängt werden. Meist wird jeweils am Ende einer Sitzung vereinbart, wie es weiter geht.

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Müsste man sich nicht einfach nur ein wenig beherrschen und das alles wäre kein Problem mehr?

Das ist eine Frage, die sicherlich viele Menschen beschäftigt, die sich mit der Suchtthematik beschäftigen, und als Angehöriger denken, „Ich kann´s doch auch!“ oder als Betroffener, „Ich kann es jederzeit, wenn ich nur will!“ Mit süchtigem Verhalten ist es ein wenig wie mit Fußball: Da sehr viele Fußball gespielt haben, meinen sehr viele eine kompetente Meinung dazu zu haben. Zu denken, was bei mir klappt, müsste doch auch bei jemand anderem funktionieren, entspricht dem eigenen Erfahrungswissen. Tatsächlich verhält es sich damit aber anders.

Der Vorsatz oder die Aufforderung „sich zusammen zu nehmen“ ist nicht wirklich hilfreich. Denn gerade weil der oder die Betreffende sich bereits über ihr Suchtmittel oder Suchtverhalten selbst kontrolliert und „beherrscht“ in Richtung auf ein erwünschtes Erleben, ist es im Lauf der Zeit zu diesen Problemen gekommen: „Ich kontrolliere mich, um die Balance zu halten, zwischen meinen eigenen Bedürfnissen und den Anforderungen, die sich mir stellen.“ Der Versuch der Kontrolle ist es, der immer wieder dazu führt, in das Suchtverhalten zu gleiten, mehr Kontrolle heißt also mehr vom Problem-Verhalten zu zeigen. Denn nur dadurch, dass ich trinke, spiele o.a. kann ich mir selbst und anderen „beweisen“, dass ich noch immer „das Heft meines Lebens in der Hand“ halte.

Erst das Eingeständnis des Versagens der Selbst-Kontrolle, was im Erleben des Betreffenden dem sicheren Untergang gleich kommt, schafft aber auf der anderen Seite erst die Möglichkeiten und Ressourcen, dieser Falle zu entkommen. Die Aussicht, dem vermeintlichen Untergang zum Opfer zu fallen, macht das Aufhören auch so schwer.

Daneben gibt es auch noch andere Faktoren, die ein Suchtverhalten aufrechterhalten: Bei einer körperlichen Abhängigkeit kann es kurzfristig eine Notwendigkeit sein, z.B. weiter zu trinken, um Entzugssymptome zu vermeiden.

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Wie finde ich denn eine entsprechende Beratungsstelle?

Entsprechende Beratungsstellen in Unterfranken finden Sie hier auf dieser Internetseite, wenn Sie auf der Startseite auf den Menupunkt Beratungsstellen gehen und dort in der linken Navigationsleiste auf Suchtberatung klicken. Neben ein paar grundsätzlichen Informationen finden Sie dort die Suchtberatungsstellen mit den Kontaktinformationen.

Auf der Seite der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen www.dhs.de finden Sie unter dem Menupunkt Einrichtungssuche/Onlinesuche Informationen zu Einrichtungen in ganz Deutschland.

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Welche Erfolgschancen hat denn eine Beratung oder Behandlung?

Die Ergebnisse der Beratung und Behandlung von Suchterkrankungen sind sehr gut wissenschaftlich dokumentiert, auch im Hinblick auf die Erfolgschancen. Ganz allgemein, zeigt sich in vielen Untersuchungen, dass etwa 2/3 aller Klienten, die sich selbst zu einer Beratung/Behandlung entschlossen haben, von dieser profitieren.

Der wichtigste Faktor für den Erfolg ist das eigene Engagement.

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Was kostet eine Beratungsstunde? Entstehen mir selbst irgendwelche Kosten?

Was in der Regel für alle Angebote der Beratungsstellen des Caritasverbandes in Unterfranken zutrifft: Kosten entstehen Ihnen durch die Gespräche keine. Sie benötigen auch keinerlei Kostengenehmigungen, Anträge oder Überweisungen von dritter Stelle.

Allein Ihre persönliche Entscheidung ist die Voraussetzung.

Nur gesondert ausgewiesene Angebote, wie z.B. Nichtraucherkurse, Seminare zur Vorbereitung auf eine MPU o.ä. kosten eine Gebühr.

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Ist bei einer kostenlosen Beratung oder Behandlung überhaupt eine kompetente und qualifizierte Beratung möglich?

Zwar sind für Sie als Nutzer einer Beratungsstelle die Angebote (mit wenigen Ausnahmen) kostenfrei, dennoch kostet natürlich die Arbeit der Fachkräfte Geld.

Die Psychosozialen Beratungsstellen finanzieren sich zum überwiegenden Teil aus Mitteln, die der Bezirk Unterfranken bereitstellt und Eigenmitteln des Caritasverbandes selbst.

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Arbeiten in den Beratungsstellen ehrenamtliche Mitarbeiter oder spreche ich mit einer Fachkraft?

Alle Mitarbeiter in den Psychosozialen Beratungsstellen sind Fachkräfte aus den Bereichen soziale Arbeit, Pädagogik, Psychologie und Psychotherapie, die meist schon sehr lange in diesem Arbeitsbereich tätig sind und über entsprechende Erfahrung verfügen. Viele Mitarbeiter haben zu ihrem Studium Zusatzausbildungen, die sie auf unterschiedlichen Gebieten der Beratung und Behandlung von Abhängigkeiten und den damit verbundenen Problemen qualifizieren. Ständige Weiterbildungen und Reflexion der eigenen Arbeit in externer Supervision sind weitere Bestandteile, die Qualität der Arbeit weiter zu entwickeln.

Die Gespräche sind, wenn Ihnen nichts anderes mitgeteilt wurde, Vier-Augen-Gespräche. Sie können sich jedoch auch von einem vertrauten Menschen begleiten lassen, wenn Ihnen dies den Besuch erleichtert.

In den Selbsthilfegruppen dagegen sind überwiegend Ehrenamtliche engagiert, die gerade durch ihre eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen andere Menschen sehr hilfreich unterstützen und ermutigen können.

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Werden Informationen weitergegeben? Sind die Gespräche vertraulich? Leiten Sie Informationen an den Arbeitgeber, die Polizei oder das Gericht weiter?

Alle Mitarbeiter der Beratungsstelle unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht und nichts geschieht ohne Ihr ausdrückliches Einverständnis bzw. Ihren konkreten Auftrag. Das gilt auch dann, wenn Sie im Rahmen einer gerichtlichen Auflage zu uns kommen. Auch hier ist die Vertraulichkeit per Gesetz durch das Schweigerecht gewährleistet.

Deshalb überlassen wir es immer Ihnen selbst, Beratungsgespräche, zu denen Sie beispielsweise aufgrund einer Auflage verpflichtet sind, selbst nachzuweisen. Zu diesem Zweck stellen wir Ihnen Bescheinigungen über wahrgenommene Termine aus.

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Ich möchte als Frau nur mit einer weiblichen Beraterin sprechen. Ist das möglich?

Ja, oft fragen wir Sie schon bei der Anmeldung, ob dies für Sie wichtig ist, und bemühen uns dann, Ihren Vorstellungen entgegen zu kommen.

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Wenn ich mit dem Berater oder der Beraterin nicht klar komme, kann ich dann auch wechseln?

Eine Beratung oder Behandlung ist immer auch eine Frage einer vertrauensvollen Beziehung. Wenn Sie den Wunsch haben, den Berater oder die Beraterin zu wechseln, werden wir Ihren Wunsch respektieren.

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Was ist, wenn es mir überhaupt nicht gefällt?

Ein Besuch einer Beratungsstelle verpflichtet Sie zu nichts. Deshalb ist es alleine ihre eigene Entscheidung, ob Sie Angebote der Beratungsstelle weiter wahrnehmen wollen. In jedem Fall freut sich Ihre Ihr Berater über eine kurze Rückmeldung, auch wenn diese kritisch ist, um sein Handeln überprüfen zu können.

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Ich weiß gar nicht so richtig, ob das für mich das Passende ist?

Probieren Sie es aus! Zu uns kommen häufig Menschen, die verschiedene Seiten in sich tragen. Eine, die zweifelt oder unsicher ist, und gleichzeitig aber auch eine Seite, die hoffnungsvoll ist. Das heißt Ihre Zweifel haben Sie mit vielen anderen gemeinsam.

Wir werden gemeinsam mit Ihnen nach hilfreichen und passenden Schritten suchen auf dem Weg zu einer für Sie passenden Lösung. Dabei sind Ihre eigenen Zielvorstellungen und Erfahrungen sehr wichtig, denn letztendlich sind und bleiben Sie verantwortlich in eigener Sache und haben die meisten Kompetenzen, betreffend Ihr eigenes Leben. Dabei unterstützen wir Sie gerne!

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Was passiert in einer Beratung?

Ausgangspunkt jeder Beratung oder Behandlung sind die Vorstellungen des Klienten. In die Beratung kommen Menschen, die bereits recht genaue Vorstellungen haben, was Ihnen helfen wird, und andere, die wissen wollen, was sie in ihrer Situation tun können. In jedem Fall finden Sie in uns einen neutralen Gesprächspartner. Sie werden Informationen erhalten über die Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen, sei es vor Ort oder auch im Rahmen einer Klinikbehandlung.

Darüber hinaus werden Sie informiert, welche Schritte notwendig sind, um Ihre Entscheidung in die Wirklichkeit umzusetzen. Ihr Berater wird sich in jedem Fall die Zeit nehmen, die notwendig ist, gemeinsam mit Ihnen eine Lösung zu entwickeln, die aus fachlicher Sicht sinnvoll ist. Allerdings nimmt sie oder er Ihnen weder Ihre Entscheidung, noch Ihr Handeln ab.

Mehr und ausfürhlichere  Informationen und Wissenswertes über unsere Arbeitsform finden Sie auch hier unter diesem Link.

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Was ist der Unterschied zwischen einer Entgiftung und einer stationären Therapie?

Eine Entgiftung findet im Krankenhaus oder in einer psychiatrischen Klinik statt. Sie ist eine medizinische Behandlung, bei der unter Zuhilfenahme von Medikamenten "die Droge" entzogen wird und diese Medikamente anschließend langsam abgesetzt werden. Dieser Prozess dauert in der Regel bei Alkohol eine Woche, bei einer Abhängigkeit von Medikamenten kann er sich auch über Wochen hinziehen. Kostenträger bei Entgiftungen ist im Allgemeinen die Krankenkasse. Voraussetzung ist eine Einweisung auf Krankenhauspflege, die der Hausarzt ausstellen kann. Sinnvoll ist eine Entgiftung, wenn Begleiterkrankungen so ausgeprägt oder der körperliche Zustand so schlecht sind, dass alleine schon eine Unterbrechung des Suchtmittelkonsums wichtig ist. Im anderen Fall findet eine Entgiftung vor einer Reha statt. Zeitlich so abgestimmt, dass ein nahtloser Übergang in die Rehaklinik möglich ist. Eine Entgiftung ist meist kurzfristig möglich (z.B. im Krankenhaus Alzenau-Wasserlos).

Ausführliche Informationen zu den Entgiftungskliniken in der näheren und weiteren Umgebung Aschaffenburgs mit Angaben über Telefonnummern, Adressen, Aufnahmemodalitäten usw. finden Sie hier.

Eine stationäre Therapie oder auch Reha, Kur, Entwöhnung ist eine Behandlung in einer Fachklinik für Suchterkrankungen über einen Zeitraum von zwei bis vier Monaten bei Alkohol-, Medikamentenproblemen und sechs Monaten bei Drogenproblemen. Kernpunkt einer Therapie ist die Psychotherapie - in der Gruppe und in Einzelgesprächen - ergänzt um Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Arbeitstherapie, wenn die Therapie wieder fit machen soll für einen oder den Arbeitsplatz. In einem gewissen Sinn gleicht eine Therapie in einer Klinik dem Aufenthalt in einem Fitnesstudio. Es wird eine förderliche Umgebung zur Verfügung gestellt, in der der Patient die Erfahrungen machen kann, die seine weitere Entwicklung fördern können. Diese ist immer eine Leistung des Patienten. Seine Motivation oder Einstellung ist der wichtigste Erfolgsfaktor.

Da diese Behandlungen medizinische Rehabilitationsbehandlungen sind, werden sie von den Rentenversicherungen bezahlt. Neben den Behandlungskosten erhält jeder Patient eine Art Krankengeld, das Übergangsgeld. Bei Rentnern oder bestimmten anderen Personen muss die Krankenkasse oder auch der Bezirk Unterfranken die Kosten für eine Behandlung übernehmen. Zwischen Antragstellung und Beginn einer Reha liegen in der Regel zwei Monate. Es ist eine unserer Aufgaben, Menschen, die eine stationäre Reha wünschen, bei der Klärung der Kostenfragen zu unterstützen.

Ein Verzeichnis der stationären Rehakliniken, die von der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern anerkannt und belegt werden mit Angaben zur Adresse, Telefon und Internetadresse und für wen, bzw. was jeweils Behandlungen angeboten werden, finden Sie unter diesem Link.

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Es gibt ambulante und stationäre Behandlungsmöglichkeiten. Wann ist das eine besser, wann das andere?

Auch wenn für jeden Menschen unterschiedliche Bedingungen gelten mögen, gibt es doch ein paar Erfahrungswerte, die hier Orientierung geben können.

Stationäre Behandlung ist dann eher sinnvoll, wenn einer oder mehrerer der folgenden Punkte zutreffen: Der körperliche Zustand ist so schlecht, dass eine Zeit medizinischer "Nachbehandlung" notwendig ist, ein Abstand zu dem normalen Lebensumfeld (sei es Beruf oder andere Faktoren) ist wichtig, dem Betreffenden ist es nicht mehr oder nur noch für ganz kurze Zeit möglich, auf die Droge oder das Verhalten zu verzichten.

Günstige Voraussetzungen für eine ambulante Therapie liegen vor, wenn entweder das Problem begrenzt oder die Motivation und die Anstrengungen des Betreffenden ganz besondere sind. Günstig scheint zu sein, wenn das berufliche und private Umfeld eine unterstützende Funktion haben, wenn der allgemeine körperliche Zustand noch gut ist, wenn noch keine oder nur gering ausgeprägte Entzugssymptome auftreten und wenn auch die Fähigkeit, auf das Suchtmittel zu verzichten, über längere Zeit noch gegeben ist.

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Ihre Frage ist nicht dabei?

Ihre Frage ist nicht dabei oder Sie wollen eine Anmerkung machen, dann können Sie sich über unser Kontaktformular an uns wenden.

Für persönlichere Fragen können Sie anonym auch die Onlineberatung des Deutschen Caritasverbandes nutzen. Hier antworten Ihnen Berater einer Beratungsstelle in Ihrer Nähe direkt auf Ihre Fragen.

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Weitere Informationen über unser Vorgehen und Voraussetzungen einer gelingenden Zusammenarbeit finden Sie hier!